Wenn auf Ihren Prüfprotokollen noch „DIN VDE 0701-0702“ steht, verweisen Sie auf ein zurückgezogenes Regelwerk. Dieser Beitrag erklärt, welche Normen heute gelten, in welcher Reihenfolge geprüft wird und welche Richtwerte für Grenzwerte üblich sind.

Aus einer Norm wurden zwei

Die alte Sammelnorm DIN VDE 0701-0702:2008 deckte beide Fälle ab, in denen ein ortsveränderliches Betriebsmittel geprüft wird: nach einer Instandsetzung und in wiederkehrenden Abständen während der Nutzung. Mit der europäischen Harmonisierung sind 2021 zwei eigenständige Normen erschienen:

Die alte Norm galt während einer Übergangsfrist parallel weiter und wurde im September 2023 endgültig zurückgezogen. Seither sind die beiden harmonisierten Normen die gültige Grundlage. Umgangssprachlich ist oft noch von „0701/0702“ die Rede. Auf dem Protokoll sollte jedoch die tatsächlich angewandte Norm stehen.

Die Prüfreihenfolge nach DIN EN 50699

Für die Wiederholungsprüfung gilt diese Reihenfolge:

  1. Sichtprüfung: Gehäuse, Anschlussleitung, Stecker, Zugentlastung, Kennzeichnung.
  2. Schutzleiterwiderstand, bei Geräten der Schutzklasse I.
  3. Isolationswiderstand.
  4. Schutzleiterstrom oder Berührungsstrom, soweit zutreffend.
  5. Bewertung und Dokumentation.

Ein entscheidender Unterschied: DIN EN 50699 schreibt für reine Wiederholungsprüfungen keine Funktionsprüfung mehr zwingend vor. DIN EN 50678, die Norm für Prüfungen nach einer Instandsetzung oder Reparatur, verlangt diese hingegen weiterhin verbindlich. Dieser Unterschied führt in der Praxis häufig zu Missverständnissen: Bei Wiederholungsprüfungen wird die Funktionsprüfung oft fälschlicherweise als zwingende Normanforderung ausgewiesen, während sie nach Reparaturen versäumt wird. Weist ein Protokoll eine Funktionsprüfung explizit als Vorgabe der DIN EN 50699 aus, widerspricht dies dem tatsächlichen Normtext.

Richtwerte für Grenzwerte

Die folgenden Werte sind Richtwerte. Maßgeblich ist der Normtext, und für einzelne Gerätearten gelten eigene Festlegungen:

Größe Richtwert Anmerkung
Schutzleiterwiderstand ≤ 0,3 Ω Bis 5 m Leitungslänge; + 0,1 Ω je weitere 7,5 m, max. 1,0 Ω
Isolationswiderstand, SK I ≥ 1,0 MΩ ≥ 0,3 MΩ bei SK I mit Heizelementen
Isolationswiderstand, SK II ≥ 2,0 MΩ
Schutzleiterstrom ≤ 3,5 mA
Berührungsstrom ≤ 0,5 mA

Dokumentationspflichten

Beide Normen verlangen, die Prüfung nachvollziehbar zu dokumentieren: eindeutige Gerätekennzeichnung, durchgeführte Messungen mit Messwerten, die Gesamtbewertung sowie die prüfende Person. Im Schadens- oder Revisionsfall zählt diese Dokumentation. Beanstandet werden in der Praxis oft nicht die Messungen selbst, sondern lückenhafte Protokolle.

Eleqta erzeugt das Prüfprotokoll aus dem durchgeführten Prüfablauf. Es enthält die Normangabe „DIN EN 50699/50678“, die Messwerte mit Bestanden oder Nicht bestanden, das verwendete Messgerät, die prüfende Person und eine Verifizierungs-ID. Die Richtwerte aus der Norm zeigt Eleqta als Hinweis neben den Messfeldern. Ob ein Wert besteht, bewertet die Elektrofachkraft.